Wer war John Sarno?

John Sarno (1923–2017) war Professor für Rehabilitationsmedizin an der New York University und behandelte über Jahrzehnte tausende Menschen mit chronischen Schmerzen. Ihm fiel auf, dass viele seiner Patientinnen und Patienten trotz starker Rückenschmerzen keine strukturelle Ursache hatten, die die Beschwerden erklärte. Für dieses Muster prägte er den Begriff Tension Myositis Syndrom.

Die Grundidee: Schmerz als Ablenkung

Sarnos Annahme war, dass das Gehirn körperlichen Schmerz erzeugt, um von unterdrückten Gefühlen abzulenken – etwa Wut, Angst oder innerer Anspannung, die im Unbewussten „weggesperrt“ werden. Der Schmerz ist dabei völlig real. Er dient aber, so Sarno, als eine Art Schutzmanöver: Solange die Aufmerksamkeit auf dem Körper liegt, bleiben die belastenden Gefühle im Hintergrund.

Sarnos Weg aus dem Schmerz

Aus dieser Idee entwickelte Sarno einen für die damalige Zeit ungewöhnlichen Ansatz – ohne Medikamente, Spritzen oder Operationen. Im Kern ging es ihm um drei Dinge:

  • Verstehen: begreifen, dass der Schmerz nicht von einem Schaden kommt, sondern eine seelische Ursache haben kann.
  • Gefühle zulassen: sich den eigenen Emotionen zuwenden, oft durch Schreiben und Selbstreflexion.
  • Angst abbauen: die Furcht vor Bewegung verlieren und wieder normal aktiv werden.

Wie das heute eingeordnet wird

Ehrlich gesagt: Sarnos genaue Erklärung ist in der Schulmedizin umstritten und nicht allgemein anerkannt – unter anderem, weil er seine Erfolge nie in Studien belegt hat und sein Modell manchen als zu einfach gilt. Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass hinter Schmerzen auch echte körperliche Ursachen stecken können, die man nicht übersehen darf.

Und trotzdem war Sarno ein Pionier. Seine zentrale Einsicht – dass Psyche und Körper zusammenhängen und Schmerz ohne Schaden entstehen kann – prägt bis heute modernere, besser erforschte Ansätze. Der Begriff TMS gilt als früher Vorläufer dessen, was man heute neuroplastischen Schmerz, Mind-Body-Syndrom oder gelernten Gefahrschmerz nennt.

Kurz gesagt Sarnos Verdienst ist weniger die genaue Mechanik, sondern die Grundidee: Schmerz kann echt sein und trotzdem seelische Wurzeln haben. Daraus sind heutige, besser untersuchte Ansätze wie die Pain Reprocessing Therapy gewachsen.

Wichtig: Der TMS-Gedanke ersetzt keine ärztliche Abklärung. Gerade weil schon Sarno betonte, dass man ernste Ursachen zuerst ausschließen muss, gilt: erst zur Ärztin oder zum Arzt, dann den seelischen Anteil in den Blick nehmen.

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